Rückblicke 2020

 

Zum 8. Mai 2020, dem 75. Jahrestag

des Kriegsendes.

(ein kurzer Gedanke der Redaktion des GFK)

In den allgemeinen Medien Deutschlands wird gegenwärtig darüber diskutiert, ob der 8. Mai nun ein Tag der Befreiung oder auch ein Tag des Untergangs Deutschlands und des Verlustes von Heimat, Kultur und allgemeinen Werten vieler Menschen ist. Dazu kommt die damals beginnende Besatzungszeit der Siegermächte.

Es ist erfreulich, dass heutzutage dieser 8. Mai nicht nur als "Befreiung durch die Sowjetarmee" gesehen wird, wie zu DDR-Zeiten und man auch andere Meinungen hört.

Wir als Heimatvertriebene empfinden den 8. Mai 1945 auch heute noch als den Tag der "Befreiung von Hab und Gut und von unserer Heimat" und auch in vielen Fällen als schmerzhaften Verlust von lieben Familienangehörigen.

Ein allgemeiner Feiertag ist es wohl kaum; lediglich ein Gedenktag.

 

 

Ostern 2020

 

diese Zeichnung stammt vom Titelblatt der Heimatzeitungen für die Vertriebenen aus dem Sudetenland – Ausgabe April/Mai 2020, (Preußler Druck u. Versand GmbH Nürnberg)

 

Wie Sie alle wissen, wird in diesem Jahr das christliche Osterfest nicht in der gewohnten Art und Weise gefeiert werden können. Seit „Menschengedenken“, so hören wir es aus dem Munde verschiedener  Prediger, ob christlicher und weltlicher Zuordnung, hat es Derartiges  hier in Mitteleuropa noch nicht gegeben. Auch in Kriegszeiten vor 75 oder vor mehr als 100 Jahren  fanden zu Ostern oder Weihnachten stets Gottesdienste mit den versammelten Gemeinden statt.

In diesem Jahr verbindet die Technik per Fernsehen die Menschen im Wohnzimmer und nicht in den Kirchen oder Kathedralen und nicht mit den Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Das ist alles recht schade! Aber es hat auch einen besonderen Wert und eine neue Sicht auf das Gemeinschaftsleben in unserem Land. Vielleicht hilft diese Situation den Familien und den Alleinstehenden, sich intensiver mit den  christlichen und weltlichen Bräuchen des Osterfestes zu befassen.

Auf der obigen Zeichnung  sehen wir verschiedene Gegenstände, die früher in unserer Böhmischen Heimat und auch heute in Deutschland, zu Ostern gehören.

Weidenkätzchen-Palmkätzchen-Palmzweige gehören zum Palmsonntag. Zu Beginn des Sonntagsgottesdienstes wurden sie gesegnet und dann zur Prozession von draußen in die Kirche hinein getragen. Mancherorts wurden auch recht lange Palmbuschen getragen, die mehrere Meter hoch waren. Für den Gründonnerstag steht das Brot, als Sinnbild für das Letzte Abendmahl. Das Kreuz gehört zum Karfreitag, zur Kreuzigung Jesu. Das Osterlamm deutet auf Jesus, als das Lamm Gottes mit der Siegesfahne des Auferstandenen. Die Osterkerze  bedeutet Christus als das Licht der Welt. Sie wird zu Beginn der Auferstehungsfeier am Osterfeuer  angezündet. Der Krug kann zum Holen des Osterwassers dienen. Die mehrfach dargestellten Ostereier sind ein weltlicher Frühlingsbrauch und sollen auf das erwachende Leben in der Natur hinweisen.

Soweit wenige Gedanken zu dieser Osterzeichnung.

 

Wer nun wie gewohnt, auch in diesem Jahr die Gottesdienste in der Kar- und Osterwoche mitfeiern möchte, hat verschiedene Möglichkeiten dazu. In den meisten Bistümern Deutschlands und in den einzelnen Pfarreien gibt es Pfarrbriefe und besondere Hinweise, darauf, wie wir auch zuhause allein oder mit der Familie ein christliches Osterfest gestalten können. Es gibt Hinweise zur Gestaltung der Palmzweige und zur Osterkerze. In den Gesangbüchern, z.B. im Gotteslob, findet man die Gebetstexte zu den einzelnen Tagen und die entsprechenden Lieder dazu. Das Internet bietet alle Texte in der gültigen Originalfassung.

(https://erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html)

Die moderne Technik, die wir nutzen können, wurde bereits erwähnt. Auf den einzelnen Fernsehkanälen werden Gottesdienste und Hl. Messen angeboten, die besonders auf die gegenwärtige Situation in der Corona-Pandemie  angepaßt sind. Bereits an den vergangenen Sonntagen konnte man erleben, wie Priester und auch Bischöfe fast allein, mit nur drei bis vier Assistenten, Sängern oder Gläubigen die Gottesdienste in würdiger Form feiern und die Menschen an den Bildschirmen als Großgemeinde mit einschließen. Man findet in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten  ARD , ZDF und den Landesanstalten Gottesdienste, auch wenn sie nicht in der Programmzeitung stehen. Dazu kommen die kirchlichen Fernsehanstalten, die über Kabel-Deutschland oder Satellit zu empfangen sind, z.B.: K-Tv; EWTN (Domradio Köln); Bibel-TV. Auch übers Internet stellen einige Pfarreien die Übertragung ihrer Gottesdienste zur Verfügung. Wer sucht, der findet.

 

Auch die zu Ostern gehörende alten Bräuche sollten nicht vergessen werden:  Palmzweige als Haussegen ans Kruzifix stecken; Ostereier verstecken und am Gründonnerstag oder am Ostersonntag suchen lassen;  auch der Osterhase darf angemessene Geschenke besonders für die Kinder bringen; einen Emmausgang mit der Familie kann man auch in der Nähe des Wohnortes  unternehmen.

 

Ich wünsche den Heimatfreundes des GFK und Ihren Familien; sowie allen Interessenten dieser Internetseite ein gesegnetes und frohes Osterfest ! und bleiben Sie schön gesund !

 

Jürgen Schmidt, Redaktion des GFK

 

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Zum 75. Jahr nach unserer Vertreibung und zum Gedenktag des Hl. Joseph am 19. März

St. Joseph – Schutzpatron der Flüchtlinge und Vertriebenen

Viele Heilige sind in Notzeiten, in Kriegen, bei Unwetter, in Krankheiten, bei Flucht und Vertreibung und anderen Gefahren seit alters her von den Menschen angerufen worden. Der christlich-katholische Glaube erlaubt es, Menschen, die als besondere Vorbilder gelebt und nach ihrem Tode von den zuständigen kirchlichen Gremien „selig- oder heiliggesprochen“ wurden, zu verehren und als Mittler und Fürsprecher bei Gott anzurufen. Dieser Brauch ist schon sehr alt und wird bei vielen Völkern bis heute gepflegt.

Die 14 Nothelfer sind im deutschsprachigen Raum besonders bekannt. Beispielsweise fährt der Hl. Christophorus in sehr vielen Autos mit. Nicht nur sie, sondern auch zahlreiche andere „Heilige“ werden als Schutzpatrone verehrt und im „Notfall“ um Hilfe angerufen. Es gibt aber auch Menschen, die nicht offiziell „heiliggesprochen“ wurden und können trotzdem als Vorbilder der Christenheit dienen.

Dann gibt es noch solche, die „von Geburt an“ Heilige sind. Dazu zählen besonders die Gottesmutter Maria und ihr Bräutigam, der Heilige Joseph. Dieser hatte die besondere göttliche Aufgabe erhalten, die „Heilige Familie“ zu versorgen und zu beschützen, wie es bei den Evangelisten Matthäus und Lukas geschrieben steht. Die Weihnachtsgeschichte kennt wohl jeder. Wenig später erreichte ihn den Hl. Joseph die nächste Botschaft: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten . . . denn König Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Matth. 2.13). Das war für den Hl. Joseph noch schwieriger, als die Reise zur Volkszählung, denn es ging jetzt ins Ausland. Auch das Leben im „Exil“ und die spätere Rückreise nach Nazareth in Galiläa waren gewiss eine anstrengende und nicht ungefährliche Aufgabe, die der Hl. Joseph bewerkstelligen musste. Er war ein Mann der Tatkraft und des Gottvertrauens.

Aus seinem Leben wissen wir, dass er ähnlichen Schicksalsschlägen und Prüfungen ausgesetzt war, wie die Millionen von Deutschen aus den östlichen Ländern Europas in den 1940 er Jahren. Aus dieser Sicht haben besonders die Christen den Heiligen Joseph zu ihrem Schutzpatron erwählt. Sie haben ihn in den Nöten der Flucht und Vertreibung angefleht, er möge ihnen Hilfe und Schutz erbitten von Gott unserem Vater. Er hatte selbst erfahren, was es bedeutet verfolgt zu werden und fliehen zu müssen in eine ungewisse Zukunft.

Auch heute kann der Hl. Joseph ein Vorbild für die Familien sein, nicht nur für christliche. In unserer böhmisch – österreichischen Heimat war der Name Joseph sehr verbreitet. Das hatte aber gewiss wenig damit zu tun, dass mehrere Kaiser des Landes diesen Namen trugen. Im Kirchenjahr wird das Hochfest des Hl. Joseph am 19. März begangen. Der Hl. Joseph ist nicht nur der Schutzpatron der Flüchtlinge, sondern gilt allgemein als Schutzpatron der Handwerker und Arbeiter (1. Mai), sowie seit 1870 als Patron der gesamten Kirche.

Plakette: St. Joseph-Schutzpatron der Flüchtlinge

                                                   Aluminium 3,5 x 3,5 cm  – 1945 -

 

Die hier abgebildete Plakette aus einfachem Aluminium zeigt auf der Vorderseite ein Bildnis von der „Flucht nach Ägypten“. Maria und das Jesuskind auf einem Esel sitzend, den der Hl. Joseph führt, mit einem Wanderstab in der Hand. Dahinter und davor sind weitere Flüchtlinge abgebildet. Ein Paar schiebt einen Handwagen, ein Kind weint und stützt das Gesicht in die Hände. Ein anderer trägt einen Sack auf dem Rücken und ein kleines Kind hat ein Köfferchen in der Hand.  Umrandet ist die sechseckige Plakette rechts von einem Baum und unten von Pflanzen am Weg. Sogar ein Kilometerstein ist zu sehen. Über den Köpfen der „Flüchtlinge“ schwebt ein Garten mit Bäumen und die Sonne strahlt zwischen den Bergen. Ein Bild, wie man es kaum besser darstellen kann und wie wir es als Vertriebene selbst erlebt und erduldet haben.

Man muss diese Plakette mehrfach und möglichst vergrößert betrachten, um die besondere Feinheit der Arbeit zu erkennen. Wahrscheinlich trugen manche Vertriebene bei der Flucht diese Plakette an einem Bändchen um den Hals. Auf der Rückseite steht ganz einfach eingeprägt: St. Joseph – Schutzpatron der Flüchtlinge - und darunter eine Taube, welche wohl die Hoffnung auf ein „neues zu Hause“ ausdrücken soll.

Wer eine derartige Plakette besitzt, wird sie stets in Ehren halten und noch heute dem Hl. Joseph dafür dankbar sein, dass er und seine Familie die schwere Zeit vor 75 Jahren überstanden hat – Gott sei Dank!

 

                                                                                           Jürgen Schmidt, Görkauer Freundeskreis,

                                                                zum 75. Jahrestag der Vertreibung (Kurzfassung)