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Liebe Görkauer Heimatfreunde, liebe Landsleute!

Gedenksteinpflege in Görkau/Jirkov am 22. Mai 2017

Wenn man selbst dabei ist, von früh morgens bis zum Abend, also 12 Stunden lang, erst dann kann man einschätzen und bewerten, was es bedeutet, einen Gedenkstein zu pflegen. Es handelt sich um den jährlichen  Einsatz von Soldaten der Bundeswehr in unserer Heimatstadt Görkau/Jirkov, bei dem das Areal um den Gedenkstein des Görkauer Freundeskreises (GFK) und das älteste Grab auf dem Städtischen Friedhof gereinigt und mit neuem weißen sächsischen Marmorsplitt belegt wurden.

Gedenkstein_Goerkau_2017

Im Jahre 2004 ist dieser Gedenkstein, der an die verstorbenen Deutschen in Görkau und an die Vertriebenen, die in der Fremde ruhen, errichtet worden. Das geschah mit großzügiger Unterstützung und in enger Zusammenarbeit  mit der Stadtverwaltung von Jirkov/Görkau. Seit der Errichtung der Anlage organisiert das Mitglied des GFK, Thomas Mielenz, Hptm. i. R., aus der Partnerstadt Brand-Erbisdorf jährlich diesen ganz besonderen Einsatz von Soldaten und Reservisten der Bundeswehr (Standort Sachsen). Bis vor wenigen Jahren beteiligten sich auch Soldaten der tschechischen Armee daran und es wäre zu begrüßen, wenn diese landesübergreifende Zusammenarbeit wieder aufleben könnte.

Es ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass dieser Gedenkstein kein „Kriegerdenkmal“, sondern eine Erinnerungsstätte an die deutsche Bevölkerung von Görkau/Jirkov ist, die mindestens seit der ersten Erwähnung der Stadt im Jahre 1269 bis vor 70 Jahren hier lebte.

Wie ein eingespieltes Team von Landschaftsgärtnern hatten sechs Soldaten der verschiedensten Waffengattungen und Dienstgrade innerhalb von 2 Stunden das gesamte Denkmalsareal und das geschützte erste Grab auf dem Friedhof in einen sauberen, gepflegten Zustand versetzt.

Zur Mittagspause mit gutem böhmischem Essen wurden alle Beteiligten, auch die Vertreter des GFK und der Partnerstadt Brand-Erbisdorf, vom Bürgermeister der Stadt Jirkov/Görkau ins Schloß Rothenhaus eingeladen.

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Das älteste Grab auf dem neuen Friedhof in Görkau(Jirkov

Pünktlich um 14:00 Uhr begann dann auf dem Friedhof die traditionelle kurze Gedenkfeier. Dazu waren auch der Bürgermeister von Jirkov/Görkau, Radek Štejnar, mit der Dolmetscherin Andrea Karlovska und der Oberbürgermeister der Partnerstadt Brand-Erbisdorf, Dr. Martin Antonow, gekommen. Die Soldaten und Offiziere hatten ihre Dienstuniformen angelegt und drei tschechische Jagdhornbläserinnen umrahmten die kleine Feier. In gleicher Weise, wie bei den vergangenen Treffen des GFK mit bis zu 50 Heimatleuten, legten die Vertreter der Gruppen Kränze und Blumengebinde am Gedenkstein nieder. Es folgten kurze Grußworte der beiden Bürgermeister und des GFK- Vertreters, Jürgen Schmidt. Dieser nahm den Titel des Buches von Prof. Rudolf Jansche, „Damit kein Gras drüber wächst“ zum Mittelpunkt seiner Gedenkworte in dem er ausführte: „ . . . Dieses alte deutsche Sprichwort ist heute hier wortwörtlich ausgeführt worden. Sie haben dafür gesorgt, dass dieser Gedenkstein mit der Inschrift immer sichtbar und gepflegt ist. Die Geschichte der Menschen, die . . . hier lebten, wird damit nicht vergessen.“  

Der Redner ging auch besonders auf den unerwarteten Tod des Gründungsmitgliedes und Organisators des GFK, Franz Löschner, am 17.2.2017 ein. Vor einem Jahr hatte dieser noch selbst den Kranz für die verstorbenen Heimatfreunde zum Gedenkstein getragen.

Mit dem Entzünden eines Grablichtes und eines kurzen Gebetes zum Totengedenken endete diese würdige Freier.

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Gruppenbild von der Denkmalspflege und der Kranzniederlegung am 22. Mai 2017

Den Beteiligten war es deutlich anzumerken, dass es wichtig und richtig ist, diesen jährlichen Arbeitseinsatz zu leisten. Er soll nicht nur der Pflege des Gedenksteins dienen, sondern ganz besonders der nachbarlichen und partnerschaftlichen Begegnung von Tschechen und Deutschen, damit das gegenseitige Verständnis über die vergangenen tragischen Ereignisse weiter wächst, noch bestehende Missverständnisse abgebaut und unterschiedliche Geschichtsauffassungen geklärt werden.

Jürgen Schmidt, GFK

 

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Goerkau_Bild_Zindel

Görkau und Umgebung im Frühling

(Gemälde von Gustav Zindel)