Aktuelles

      Liebe Görkauer Heimatfreunde,
      liebe Besucher der Internetseite des Görkauer Freundeskreises

      www.goerkau.de




      Grafik aus „Buchkalender Erzgebirge Saazerland“ 2014





      Der Görkauer Freundeskreis trauert um Gerhard Triebe,
      der am 28. Mai 2026 verstorben ist.





      Die Nachricht, dass uns Gerhard  für immer verlassen hat, hinterlässt Trauer und Wehmut. Mit ihm ist ein treuer, überaus beliebter und geschätzter Landsmann von uns gegangen. Die gute und lange Zusammenarbeit mit ihm war ungemein wertvoll und wichtig für unsere gemeinsamen Anliegen. Gerhard hat sehr dazu beigetragen, dass wir die Erinnerung an unsere Heimat und seine Menschen würdig und lebendig gestalten konnten. Er gehörte als Redakteur zum Aktiven Kern des Görkauer Freundeskreises. Viele Beiträge schrieb er für die Broschüren zu den Jahrestreffen des GFK und für die Oster- und Weihnachtspost. Einen besonders eindrucksvollen Zeitzeugenbericht schilderte er als Autor in seinem Kapitel zu dem Buch „Lebenserinnerungen Osterburger Oberschüler 1948 - 1952“, das 2007 veröffentlicht wurde.
      Gerhard Triebe wurde am 23. Mai 1934 in Ojes als zweiter Sohn von Karl und Angela Triebe geboren. Sein Bruder Karl war 11 Jahre älter als er. Gerhards Eltern betrieben in Ojes einen Kolonialwarenladen und später kam in Rothenhaus ein Delikatessladen dazu. Dieses Grundstück und Haus mit Geschäft erwarb der Vater 1933. Der endgültige Umzug der Familie Triebe nach Rothenhaus erfolgte 1937. Hier verbrachte Gerhard eine unvergesslich schöne, unbeschwerte Kindheit, die verbunden war mit der urwüchsigen Schönheit des Erzgebirges und dem Schloss Rothenhaus mit seinen Schlossherren, der Familie Hohenlohe-Langenburg. 1940 wurde er in die Volksschule Rothenhaus, die seinem Elternhaus direkt gegenüberlag, eingeschult. Mit Beginn des 3. Schuljahres besuchte er die Bürgerschule in Görkau. Seine Eltern waren musikalisch und die Geige des Vaters zog Gerhard magisch an. Mit sieben Jahren begann er in Görkau bei einer älteren Dame, Fräulein Kupka, Geigenunterricht zu nehmen. Sie unterrichtete ihn bis April 1945. Diese liebe und gute Lehrerin beging beim Einmarsch der Roten Armee Suizid. Mit 10 Jahren erlebte Gerhard Triebe dann das jähe Ende der glücklichen Kindheit durch die Vertreibung im August 1945. Es verschlug seine Eltern und ihn in die Russische Besatzungszone nach Schernikau (Sachsen-Anhalt), wo sie beim Bauern Behrens unterkamen und dort im Vergleich zu vielen anderen vertriebenen Familien gut aufgenommen wurden, ein gutes Quartier fanden und nie hungern brauchten. Sie arbeiteten alle in der Landwirtschaft. Im Herbst 1945 begann wieder die Schule mit dem Besuch der 6. Klasse beim Lehrer Höhne in Schernikau. Im Sommer 1947 erhielt die Familie ein erstes Lebenszeichen vom Bruder Karl durch einen Brief aus einem Gefangenenlager am Suez-Kanal in Ägypten.
      Das Wiedersehen mit dem großen Bruder beschreibt Gerhard Triebe wie folgt (Auszug aus dem o.g. Buch): „In den Sommerferien des Jahres 1948 fuhr der Bauer mit einem Pferdegespann, einem Praktikanten und mir nach Bismark. Es war ein regnerischer Tag. Der Bauer kaufte u.a. ein Fohlen. Auf dem Heimweg vertraute er mir das Fohlen an, weil er in Fleetmark noch Futtermittel kaufen wollte. So lief ich mit dem artigen Tier allein die letzten fünf Kilometer, ging an unserem Haus vorbei, in dem wir inzwischen wohnten, kam wassertriefend auf dem Hof an und übergab Opa Behrens das Fohlen. Ich legte die Regenkleidung ab, bekam in der Küche von Frau Behrens noch warmes Essen, dann sagte sie zu mir den Satz, den ich nie vergessen werde: „Gerhard, lauf gleich nach Hause, auf dich wartet etwas ganz Schönes.“ Ich tat das auch und wollte durch die Küche gehen. Da stand ein halb nackter Mann über eine dampfende Schüssel gebeugt, meine Mutter wusch ihm gerade den Rücken. Als sie mich sah, fing sie zu weinen an, nahm das Handtuch und trocknete seinen Rücken ab und gab ihm das Handtuch. Als er sich abgetrocknet hatte, drehte er sich langsam um. Wir sahen uns an und lagen uns in den Armen. Mein Bruder Karl war nach vier Jahren heimgekehrt ... Wir hatten etwas Kostbares gerettet: unser Leben und uns, die Familie!“
      Mit dem Schuljahr 1948/49 begann der Besuch der Oberschule in Osterburg mit Internatsplatz. 1952 schloss Gerhard Triebe die Schulausbildung mit dem Abitur ab. Seine Eltern schenkten ihm dafür seine erstes Fahrrad nach dem Krieg. Das erwies sich als sehr wertvoll, denn es war eine Bedingung, um die spätere Lehrstelle im Staatlichen Forstbetrieb Wolmirstedt antreten zu können. Nach der Berufsausbildung als Forstwirt war Gerhard Triebe als Forstangestellter. Bald darauf nahm er dann aber an der Humboldt-Universität in Berlin am Institut Berufspädagogik ein Direktstudium mit dem Abschluss als Diplom-Handelslehrer auf. Nun stellte das Leben endgültig seine Weichen. Friesack im Havelland wurde Gerhard Triebes neue Heimat. Nach dem Studium erhielt er ab August 1959 in Friesack eine Anstellung als Lehrkraft an der Zentralberufsschule für Buchhalter. 1968 wurde er zum Direktor der Betriebsschule berufen. Diese Tätigkeit war Beruf und Berufung und füllte ihn bis zum Eintritt ins Rentenalter voll und ganz aus. Nach der Wende 1991 wurde Gerhard Triebe Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Er hatte im Jahr 1968 seine liebe Frau Margarete geheiratet. Ihr früher Tod im Februar 2003 war ein schwerer Schicksalsschlag. Karl Schröter, Gründungsmitglied des GFK, ermunterte Gerhard Triebe, doch mit Bruder Karl zum Treffen des „Görkauer Freundeskreises" nach Rimbach in den Bayrischen Wald zu kommen. Dieses Treffen im Mai 2003 mit dem Wiedersehen vieler Heimatfreunde nach so vielen Jahren wurde für ihn eines der bewegensten Augenblicke seines Lebens. Er brachte sich von da an auch aktiv in die Geschicke des Görkauer Freundeskreises ein und nahm regelmäßig an allen Jahrestreffen teil. Das letzte Jahrestreffen des GFK fand im Juni 2016 in Oberwiesenthal statt. Auch wenn er in Friesack eine neue Heimat fand, so blieben doch für Gerhard Rothenhaus und Görkau die Heimat aus tiefstem Herzen. Die Erinnerungswelt und die Sehnsucht waren immer präsent.

      Es schmerzt, für immer Abschied zu nehmen. Wir werden Dich, Gerhard, in dankbarer Erinnerung behalten. Für uns warst Du bedeutend.


      Ute Müller