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      Grafik aus „Buchkalender Erzgebirge Saazerland“ 2014




      Schneeschuhfahrer an der Körnerbaude in Ladung 1940


      Der Winter wor ane schene Zeit
      (von Willy Ihl, 1923-2023)


      Der Winter wor ane schene Zeit, do homer uns schu sehr gefreit. Von November bis März worn wir fost täglich auf den Beinen, bei Kälte, Eis und Schnee,aber selten auf dem Kanapee. Als die erschten Pfützen gefroren worn, spielten wir ohne Schlittschuh Eishockey. Später hob ich mir vom Eisenlager beim Wolf-Jud por olte, rostige ausrangierte Schlittschuh herausgeholt, hob se mit Schmiergelpopier un Petrulium aufpoliert un on mane Schuh montiert. Jetzt konnt ich richtig Schlittschuhlaufen un brauchte kane kaufen. Wir hom domols de Söhne von der Herrschaft in Rothenhaus beneidet, denn sie besaßen a komplette Eishockeyausrüstung un spielten beim Club in Kumutau. Mit den Schlittschuhen fuhren wir den Hügel am Stodtpark neben der Schwimmschul in Richtung Schillerplatz hinunter. Später gingen wir auf die zugefrorenen Teiche un Wiesen, die überflutet wurden, um Eisflächen zu schaffen. Zu dieser Zeit war es noch üblich, daß vor allen de Brauerei aber auch die Fleischhauer im Winter ihre Keller u Bunker mit Eis füllten. Dann kam der Schnee un mit den Schiern gings zum Zenkerhäusel nach Weingorten, zum Hirschgrund un Nordpol. Wir bauten nur klane Sprungschanzen. Moncher Sprung landete auf den Hintern, des ließ sich nich verhindern. Außer Schiefohrn stand Rodeln auf dem Programm. Unsere Standardstrecke wor von Hannersdorf noch Jerker nei, do wor es uns nich immer einerlei. Gefährlich wor de Simmerdreh, dort landete monch Fohrer im Graben un zum Glück in tiefen Schnee. Selbst im März als in unserer Stodt scho ka Schnee mehr wor – fuhren wir noch Schlitten oder Zweierbob auf der vereisten Stroß im Tol von Hannersdorf nach Jerke.
      Insgesamt wor es ane schene Zeit - die kummt nich wieder, glabt es mir ihr lieben Leit. Wir wollen deshalb anich traurig sei, im Gegenteil, wir hotten trotz vieler Sorgen und Leid - aber auch etwas Schwein. Wenn mir heit so vertraut zusammen sind, dann wolln wir dankbar sein, daß mir jetzt so long in Frieden leben, die Ongst vor einem neuen Krieg soll nie mehr uns gor schweben.



      Winterfreuden in Göttersdorf um 1910