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Villa Kludsky in Görkau              

Zirkus Kludsky, weltberühmt !

  


  Karl Kludsky
  (Bronzeplastig in der Villa)

 


  • Die Geschichte der Familie Kludsky ist uralt. Der Ururgroßvater der letzten Besitzer Karl und Rudolf Kludsky, war Gemeraladjutant des serbischen Königs Sobiesky, der an der Befreiung Wiens unter Prinz Eugen teilnahm. Nach dessen Tode mußte der Urahn Kludsky aus seiner Heimat fliehen und er kam mit seiner Familie nach Böhmen.
  • Der Sohn dieses Kludsky, Anton konnte von einem Matrosen einen Papagei und einen Affen erwerben.. Dieser Erwerb war die Grundlage des späteren Zirkus Kludsky. Anton Kludsky erwarb mit der Zeit weitere Tiere , und der Bestand wurde weiter vergrößert. Langsam wuchs  das Unternehmen Kludsky zu einer Sehenswürdigkeit heran. Noch war es nur Manege und kein Zirkus. Anton heiratete und dieser Ehe entsprossen 21 Söhne, zu denen auch der Vater von Karl und Rudolf Kludsky gehörte. Er starb in Görkau und liegt auf dem Zentralfriedhof begraben.
  • Damals war Dressurarbeit mit wilden Tieren noch Pionierarbeit; man kannte den großen Schutzkäfig noch nicht und die Dressur mußte in einem kleinen Käfig stattfinden. Nach dem Tode des Großvaters geriet das Unternehmen vorübergehend ins Wanken. Sein Sohn Karl mußte sein Studium aufgeben und, 20 jährig, die Unternehmensleitung übernehmen. Er heiratete ein Mädchen mit einer kleinen Mitgift. Dazu borgte er sich noch Geld und schaffte ein Doppelkarussell an. Der älteste Bruder von Karl Kludsky sen., Anton, wurde von einem Löwen angefallen und getötet. Die Menagerie war ohne Leitung. Nach langem Zögern übernahm Karl die Leitung des gesamten Unternehmens. Damit wurde der Grundstein zum internationalen Zirkus Kludsky gelegt.
  • Karl Kludsky verkaufte sein Doppelkarussell und reiste fortan mit dem Zirkus. Es stellten sich alsbald Katastrophen ein.. Tierseuchen rafften den Bestand der Tiere dahin. Doch Karl Kludsky ließ sich nicht unterkriegen. Nach Aufnahme eines Kredites kaufte er 20 neue Raubtierwagen. In ganz Europa kaufte Kludsky seine Tiere ein. In Wien präsentierte sich der neue Zirkus erstmals dem Publikum. Die Erfolge ließen nun nicht lange auf sich warten. Kludsky hatte in seinem Programm die seltensten Tiere aufzuweisen. In Prag fusionierte Karl mit dem Unternehmen seines Bruders Gottlieb. Doch diese "Ehe" brachte kein Glück. Die Brüder trennten sich wieder. Nach einem wiederholten Neuanfang ging der Weg des Unternehmens steil bergan. Aus 20 Wagen waren bald 35 geworden. Bei der guten Pflege vermehrten sich die Tiere alsbald auf ein Vielfaches. Die Kludsky´s haben im Laufe ihrer Tätigkeit etwa 1000 Löwen zur Welt kommen sehen.
  • Im Unternehmen wurden außerdem Tiger, Stachelschweine, Braun-, Wasch-, und Malaienbären, sowie Hyänen, Leoparden, Jaguare, Panther, Lamas, Dromedare, Kamele, ja sogar Känguruhs gezüchtet. Im Jahre 1903 erstand Karl Kludsky den Zirkus Enders bei einer Versteigerung für 30 000 Kronen. Alleine das Pferdematerial war damals ein Vielfaches wert. Inzwischen trat Karl Kludsky jun. ins Unternehmen. Er hatte eine Lehre bei der spanischen Hofreitschule in Wien absolviert. So konnte er mit den übernommenen Pferden bestens umgehen.
  • Den Winter über verbrachte der Zirkus im milden Klima Italiens. Es war für die exotischen Tiere im Norden zu kalt. Aber auch hier traf den Zirkus ein harter Schicksalsschlag. Durch eine Bora wurden Tier- und Wohnwagen zertrümmert. Raubtiere erlangten die Freiheit und mußten getötet werden oder hatten sich tödlich erkältet.
  • Aber auch jetzt erholte sich das Unternehmen wieder. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Kludsky der Welt größte Tierschau. Auch das größte existierende Manegenzelt konnte er aufweisen. Schließlich arbeiteten bei Kludsky alle Menschenrassen, bestehend aus 32 Nationen.
  • Nach dem Krieg stellten sich neue Katastrophen ein. Durch Futtermangel starben die meisten Tiere. Von 400 blieben nur 17 übrig. Doch auch jetzt gab Karl Kludsky nicht auf. In Wien stellte er eine neue Nummer mit 6 Gänsen, 6 Schweinen und 4 Braunbären auf. Langsam ging es auch jetzt wieder bergauf.
  • Im Sommer 1920 kaufte Karl die Villa Kühne in Görkau, Obere Zeche. Es wurde dort ein Winterquartier  errichtet. Im Spätherbst zog der Zirkus in das neue Domizil ein. In München hatte der Unternehmer neue Tiere gekauft. Unter großen Schwierigkeiten verlud er sein Nilpferd und den Elefanten "Bubi", ein Riese, einzigartig in Europa.

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    "Bubi" der Riesenelefant.

  • In Wien baute Kludsky erstmals einen 3 Manegen Zirkus auf und hatte damit Welterfolg. 600- 800 Tiere wurden von 400 Angestellten und Arbeitern betreut.
  • Im Jahre übernahmen die Gebrüder Karl und Rudolf das Unternehmen, da der Vater schwer krank wurde. 1927 verstarb er in Görkau und er liegt dort am Zentralfriedhof begraben.
  • Und wieder zerstörte eine Bora in Fiume das Unternehmen. Auch jetzt erholte man sich wieder. Die Gebrüder wollten einen Steinbau erstellen. Doch dies scheiterte an den großen Steuerforderungen des tschechischen Staates. Im Dezember 1929 starb auch die Mutter der Brüder Kludsky. Auch sie liegt am Friedhof in Görkau.
  • Der Zirkus wanderte weiter mit guten Erfolgen von Land zu Land, aber es trafen ihn weitere Sorgen. Die Revolution ließen die Brüder ihre Vorstellungen nicht mehr zur Ausführung bringen. Schweren Herzens mußten sie verkaufen. Sie hofften in mehreren Jahren ihre Tiere zurückkaufen zu können. Doch die Devisenvorschriften durchkreuzten dies Vorhaben.

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    Zustand der Gruft bis ca.1990

  • Die Brüder Kludsky bekannten sich 1945 zur deutschen Bevölkerung und wurden wie alle Deutschen vertrieben. Rudolf hielt sich zu dieser Zeit in österreich auf und starb dort. Karl Kludsky vegetierte in einem Wohnwagen in Weingarten. Er arbeitete schwer als Holzarbeiter mit der Martinsäge. Er ist in Görkau samt seiner Frau Elsa begraben.
  •                                Bei einem Besuch der alten Heimat machen die Görkauer oftmals einen Abstecher zu den Gräbern der Kludskys.

    (Dieser Beitrag wurde von "www.komotau.de" übernommen und stammt aus "König der Manege", 1936 von Rudolf Kludsky)

     

    Kludskygrabschmuck

    Grabstelle der Familie Kludsky 2015

     

    Mundartbeitrag

    zum Leben des Karl Kludsky

    von Werner Proksch (2016)

    Liebe Weigärtner un Jerker, liebe Hamitleit,

     Wie iech esu nochgedocht hob, wos iech wieder emol in Mundort schreibm kennt, do hob iech su gedocht,vielleicht schreib iech emoll wos iewer den Herrn Karl Kludsky, on den iech miech nuch als klaaner Gung in Jerke (Görkau) erinnern kooh.

     Mier homm ju bis 1966 nuch in Jerke gewohnt, in dor Brixer Strooß, un do hot jeder ne Herrn Kludsky un seine Fraa kennt. Er wor ju frieher zsomm mit sein Bruder Rudolf Eigentiemer von denn beriehmten Zirkus Kludsky. Des wor fei emoll dor greßte Zirkus in gonz Europa. Un de Kludsky-Villa wor ju om Wech noch Weigortn geleng un mei Votter hott dorzehlt, daß dor Herr Karl Kludsky frieher uft mein Grußvotter Franz Proksch in Weigortn besucht hot.

     Frieher, wenn dor gonze Zirkus Kludsky noch Jerke hammkumme is, wor des fei ane Attraktion. Der gonze Zirkus wor of en Eisenboh-Zug vorlodn. Un de Elefanten homm zum rangiern de Eisenboh-Waggons gschubn. Do homm se kaane Lokemotiv dorfier gebraucht.

     Dor Herr Kludsky wor e sehr frommer Mooh, unn wor in de 1960er Johre  immer jeden Sunntooch in dor Jerker Kerch un aah in Quine (Wallfahrtsort Quinau), wenn dort Wollfohrtn worn.

    Gewohnt hotter mit seiner Fraa Else nochn Krieg in gonz orme Vorhältnisse in en oltn Zirkuswong in en Bauernhuf in Weigortn, in den Ort, wu ju aah mei Votter geborn is un vor 1945/46 gewohnt hot. Der Wong wor frieher emoll sehr komfortabel. Im Internet hob iech gelesn, daß aaner den Wong bei Prag in en Schrebergorten gfundn hätt unn den restauriern will....

     Weil er olles verlorn hot, hotter missn in Jerke in den Seechwerk beim Bahnhof schwer orweitn. Unn in Jerke hot mor immer dorzehlt, daß dor Herr Kludsky, wenn er om Wech in de Orweit oder am Hammwech on seiner Villa, die se ne weggenumme homm, vorbeigonge is, on den Tor wu die zwaa grußen Löwen drauf sei, do hätt er fei immer ne Hut zum Gruß gezuhng.

    Gonz orm hom se in Weigortn gewohnt dor Herr Karl Kludsky mit seiner Fraa. 1967 is dor Herr Kludsky dann gstorm, 1974 dann aah seien Fraa Else. Beerdicht sei se in dor Kludsky-Familiengruft om Jerker Friedhuf.

     Heite is in dor Kludsky-Villa die Stodtbibliothek von Jerke.  Innen drinne stieht ane Bronze-Büste vom Herrn Kludsky. Außen is e Spielplotz fier de Kinner ohgelecht in dor Form von aner Zirkusmanege.

     De Familiengruft om Jerker Friedhof is jetze zum Ehrengrob ernonnt worn, des haaßt, de Stodt Jerke kimmert sich um de Unnerholtung von den Grob und ane Strooß homm se aah nochn Herrn Klusky benonnt, die haaßt „Kludská“.

     Werner Proksch (früher Weingarten Hs.-Nr. 15)